Versorgungskomponenten

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Versorgungskomponenten2018-08-28T12:24:19+00:00

RECOVER verbindet neun innovative Komponenten in einem Modell. Jede Komponente wird in einem Arbeitspaket umgesetzt.

Hier lernen Sie sie im Detail kennen.

Die Vorsorgungskomponenten im Detail

Die Leistungserbringer der Versorgungssektoren gründen eine sektorenübergreifende und interdisziplinäre Managed Care Organisation (MCO). Unter ihr arbeiten alle Beteiligten zusammen. Ein Beirat steuert und unterstützt die Arbeit der MCO.

Zu den Aufgaben der MCO gehören im Wesentlichen folgende Punkte:

  • die vertragliche Regelung der Zusammenarbeit der Leistungserbringer
  • die Implementierung der notwendigen Strukturen zur Steuerung und Koordination von Betroffenen (z.B. Administration, Fallmanagement, Therapieplatzvergabe, Dokumentation, Leistungsdokumentation, ggf. sektorenübergreifende IT-Akte)
  • die Implementierung von fehlenden, zum Modell gehörenden Strukturen in jeden Sektor (z.B. standardisierter Zugang, Diagnostikzentren inkl. psychotherapeutische Sprechstunden, CRTs, Case Management, ACT Teams, E-Mental-Health-Plattform)
  • Fortbildung und Training der Netzwerkpartner
  • Beratung und Transfer des RECOVER-Modells

Die Verbesserung von Diagnostik und Indikationsstellung erreichen wir, indem wir ein Diagnostikzentrum implementieren. Es wird sich durch folgende Charakteristika auszeichnen:

  • schnelle Terminvergabe (≤ 5 Werktage, in Krisen sofort über CRTs)
  • interdisziplinäre Sprechstunden (Psychiatrie, KJP, Psychosomatik, Allgemeinmedizin, Forensik)
  • standardisierte Diagnostik (psychiatrisch, psychologisch, sozial, somatisch, beruflich)
  • Integration einer psychotherapeutischen Sprechstunde mit Indikationsstellung, Aufklärung und Therapieorganisation bzgl. Psychotherapie

Darüber hinaus werden sogenannte Crisis Resolution Teams die ambulante Krisenintervention deutlich verbessern.

Der Hausarzt wird in das RECOVER-Modell integriert, indem wir die Primärdiagnostik und Therapieorganisation verbessern. Das geschieht durch eine standardisierte e-Diagnostik für Betroffene in der Praxis und einfache Überweisung an das Diagnostikzentrum. Um das Schnittstellenmanagement zur hausärztlichen Praxis zu gewährleisten, integrieren wir außerdem Allgemeinmediziner in das Diagnostikzentrum. Sie stellen sicher, dass auch allgemeinmedizinische Aspekte in der Therapie berücksichtigt werden. So leiten sie etwa körperlich erkrankte Betroffene zu ihrer hausärztlichen Praxis über. Außerdem beraten sie Hausärzte zu Therapiefragen und organisieren (digitale) Behandlungskonferenzen, um die Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zu fördern.

Wir verbessern die evidenzbasierte Behandlung mit Hilfe eines schweregradgestuften Versorgungsmodells. Es umfasst vier Schweregrade mit vier unterschiedlichen Interventionsmodulen, die von Stufe zu Stufe in der Behandlungsintensität zunehmen. In allen vier Stufen wird E-Mental-Health, Sozialarbeit, Supported Employment (Ausbildungs- und Arbeitsintegrationsservice) und Peer-Support gleichermaßen angeboten. Sie unterscheiden sich ansonsten wie folgt:

  • Stufe 1 – leichter Schweregrad – beinhaltet Beratung, aktives Abwarten, E-Mental-Health, ggf. Sozialarbeit, Supported Employment und Peer-Support. Bei Krisenintervention können darüber hinaus CRTs in Anspruch genommen werden.
  • Stufe 2 – mittlerer Schweregrad – stellt die koordinierte Regelversorgung dar. Sie bietet zusätzlich zu Stufe 1 zeitnah gestufte Einzelkurzzeittherapie (≤ 12h) und/oder Gruppenpsychotherapie. Auch hier können bei Krisenintervention Crisis Resolution Teams (CRT) in Anspruch genommen werden.
  • Stufe 3 – mittlerer bis hoher Schweregrad – macht eine koordinierte Regelversorgung plus Case Management (CM) erforderlich. Zusätzlich zu Stufe 2 werden für die Betroffenen mit mittleren bis hohen Schweregrad, aber ohne schwere psychische Erkrankung, neben dem CM nicht-gestufte Einzelkurzzeitpsychotherapien (25h) bereitgestellt.
  • Stufe 4 – schwere psychische Erkrankung – macht eine integrierte aufsuchende Komplexbehandlung mit Assertive Community Treatment (ACT), E-Mental-Health, Supported Employment und längerfristiger verlaufsadaptierter Psychotherapie notwendig. Peer-Support und Sozialarbeit sind in ACT integriert. Krisenintervention erfolgt im Bedarfsfall ebenfalls durch das ACT-Team.

Es bedarf bestimmter Anreize, damit die ambulante psychotherapeutische Regelversorgung integriert und flexibler gemacht werden kann:

  • kurzfristige Therapievergabe innerhalb von 14 Tagen durch finanzielle Anreize
  • Nutzung der Vordiagnostik zur Reduktion bzw. Verzicht auf Probesitzungen
  • höherer Anteil gestufter Kurzzeittherapien und Gruppenpsychotherapien
  • höherer Anteil von Betroffenen mit schwereren psychischen Erkrankungen in Psychotherapie durch Verzicht auf Antragsverfahren sowie Unterstützung der Krisenintervention durch die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Crisis Resolution Teams (CRT)
  • Förderung der Qualifizierung unserer Behandler durch zertifizierte, kostenfreie Fortbildungen, E-Learning, Fallkonferenzen, Qualitätszirkel u.a.

Die E-Mental-Health-Plattform von RECOVER verfolgt das Ziel, verschiedene e-Lösungen innerhalb einer Plattform sinnvoll miteinander zu verbinden. Hierzu sind folgende Lösungen in Planung:

  1. Entwicklung einer RECOVER Website mit Informationen über das RECOVER-Modell
  2. Entwicklung einer RECOVER E-Mental-Health Plattform (e-RECOVER) mit e-Beratung, e-Diagnostik und e-Therapie.

Egal wie schwer ein Betroffener erkrankt ist, es ist unser Ziel ihn effizient in eine Ausbildung oder Arbeit zu integrieren. Das erreichen wir durch folgende Maßnahmen:

  • systematisches Screening und Untersuchung bezüglich beruflicher Aspekte
  • bei Arbeitsunfähigkeit Jobcoaching bzw. Klärungshilfe zur baldigen Arbeitsfähigkeit mit Einstiegsberatung, betrieblichem Training, Training-on-the-Job, Begleitung am Arbeitsplatz
  • bei Ausbildungs- oder Arbeitslosigkeit Kooperation mit Arbeitgebern und Coaching
  • bei Erwerbsunfähigkeit Einstiegsberatung, Abklärung von Voraussetzungen, Einmündung und Vermittlung in das bestehende Regelsystem
  • Weitervermittlung von Expertisen an Netzwerkpartner
  • schrittweiser Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes mit Arbeitgebern

Um Migranten und Flüchtlinge besser behandeln zu können, greifen wir auf evidenzbasierte und innovative Lösungen zurück:

  • Strukturierte Zusammenarbeit mit psychosozialen Beratungs- und Koordinierungsstellen für Flüchtlinge und Migranten sowie mit Dolmetscherdiensten
  • Schulung der Partner und Dolmetscher in interkultureller Kompetenz
  • strukturierte Integration von Dolmetschern in die Behandlung
  • Verbesserung der kultursensiblen Diagnostik
  • Implementierung kultursensibler E-Mental-Health-Angebote
  • Verstetigung kultur- und sprachsensibler Selbsthilfegruppen sowie Peer-Beratung

Die Verbesserung von Empowerment sowie Partizipation der Betroffene und Angehörigen in Organisation, Behandlung und Forschung erreichen wir durch:

  • Vertreter der Betroffenen- und Angehörigenverbände im Beirat der MCO
  • strukturierte trialogische Fortbildungen für Partner
  • Peer-Begleitung in Diagnostikzentren, in allen vier Schweregradstufen des Modells sowie in den CRTs und ACT-Teams
  • Beratung durch die Arbeitsgruppe partizipative Forschung