Das Therapiemodell

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Das Therapiemodell2018-08-28T12:24:32+00:00

RECOVER ist ein neues Therapiemodell einer sektorenübergreifend-koordinierten, schweregradgestuften und evidenzbasierten Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Die drei Grundsätze des Therapiemodells

  1. Sektorenübergreifend-koordiniert
    Das bedeutet, dass RECOVER alle an einer Therapie beteiligten Institutionen oder Praxen nach festgelegten Regeln über die Sektorengrenzen hinaus koordiniert. Dazu gehören sowohl die Klinik mit ihren stationären und tagesklinischen Einheiten als auch die Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA), niedergelassene Ärzte verschiedener Fachrichtungen, niedergelassene Psychotherapeuten sowie rehabilitative Einrichtungen. Darüber hinaus werden weitere integrierte Versorgungsangebote in das RECOVER Modell eingegliedert.
  2. Schweregrad-gestuft
    Das heißt, dass sich die Art und der Umfang der Therapie nach der Form der Erkrankung (Diagnose), dem Schweregrad von Symptomen und dem Ausmaß der Beeinträchtigung im sozialen Funktionieren (z.B. in Schule, Ausbildung und Beruf) richtet. Ist jemand also eher leicht erkrankt, greifen wir zunächst auf Hilfen und Therapien zurück, die mit weniger Ressourceneinsatz gute Erfolge aufweisen. Ist ein Patient dagegen schwer erkrankt, stehen ihm intensivere Therapien zur Verfügung. Es gibt insgesamt vier Schweregrade, in die wir die Erkrankten einstufen. Je nach Therapie-Erfolg können sie jederzeit eine Stufe höher oder auch niedriger springen. Sollte etwa eine Besserung ausbleiben oder sich der Zustand des Patienten sogar verschlechtern, wird sofort die Therapieintensität erhöht. Der Patient rutscht eine Schweregradstufe nach oben. Das übergeordnete Ziel: Wir wollen im Versorgungssystem mehr Ressourcen für Personen mit schwereren psychischen Erkrankungen bereitstellen, ohne Menschen mit leichten Erkrankungen weniger gut zu behandeln.
  3. Evidenzbasiert
    Dieser Punkt beschreibt, dass möglichst viele Behandlungsformen, die innerhalb des RECOVER-Modells angewandt werden, nachweislich wirksam sind. Evidenzbasierte Therapien bieten dem Betroffenen eine höhere Chance auf Gesundung, denn sie erfolgen stets auf der Grundlage der besten zur Verfügung stehenden Wissensquellen und Daten. Großer Vorteil einer umfassenden Genesung von Patienten: Es entstehen weniger Folgekosten.

Die 9 innovativen Komponenten des RECOVER-Modells

RECOVER verbindet neun innovative Komponenten innerhalb eines Versorgungsmodells.
Jede einzelne Komponente wird in einem Arbeitspaket umgesetzt.

1. Zentrum für Integrierte Versorgung (Managed Care)

RECOVER führt durch die Gründung eines Zentrums für Integrierte Versorgung eine sowohl medizinisch als auch betriebswirtschaftlich gesteuerte Gesundheitsversorgung (Managed Care Organisation) ein. Das Zentrum koordiniert alle Leistungserbringer und Leistungsangebote, die an einer Behandlung beteiligt sind.

2. Verbesserung Diagnostik & Krisenintervention

Interdisziplinäre Zentren verbessern sowohl die Diagnostik und Indikationsstellung als auch die ambulante Krisenintervention. Das bedeutet, Beratung, Diagnostik, psychotherapeutische Sprechstunde, Krisen-Bewältigungs-Teams und andere arbeiten alle unter einem Dach zusammen.

3. Integration hausärztlicher Versorgung

Die Primärdiagnostik und Therapieorganisation in der Hausarztpraxis wird ebenso verbessert wie das Schnittstellenmanagement. Darüber hinaus integrieren wir Allgemeinmediziner in unsere Diagnostikzentren.

4. Verbesserung evidenzbasierter Versorgung

RECOVER führt ein schweregrad-gestuftes Modell mit vier Stufen und jeweils zugeordneten evidenzbasierten Interventionsmodulen ein.   Evidenzbasierte Behandlung bedeutet, dass jede Therapie auf Grundlage der besten zur Verfügung stehenden Wissensquellen bzw. Daten erfolgt.

5. Integration ambulanter Psychotherapie

Verschiedene Anreizsysteme sollen die ambulante Psychotherapie besser integrieren und flexibler machen.

6. Integration E-Mental-Health Plattform

RECOVER integriert eine E-Mental-Health-Plattform (e-RECOVER) in das Therapiemodell. Darunter versteht man den Einsatz digitaler Medien bei der Behandlung und Prävention.

7. Integration von Supported Employment

Diese Einheit unterstützt Betroffene dabei, sich wieder in ihre Ausbildung bzw. Arbeitsstelle einzufinden.

8. Kultur und sprachsensible Versorgung

RECOVER strebt die Einführung einer kultur- und sprachsensiblen Versorgung für Migranten und Flüchtlinge an.

9. Betroffenen- und Angehörigenbeteiligung

Wir werden die Zusammenarbeit mit Patienten und Angehörigen in Bezug auf Organisation, Behandlung (Peer-Arbeit) und Forschung intensivieren. Auf diese Weise bauen wir ihre Beteiligung an Behandlungsprozessen stetig aus.